Elena

Liebe Freunde,liebe Senioren.
Heute eine kleine Geschichte zu oben stehendem Foto.
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Im Frühjahr 1942 wurde ich zu einem Sondereinsatz nach Sofia abkommandiert.Hier lernte ich ein bulgarisches Mädchen - Elena – kennen.
Sie sprach fliessend 5 Sprachen und gehörte der bulgarischen Oberschicht an.Ihr Abitur machte Elena bei der Deutschen Schule in Sofia. Vor allen Dingen gefiel mir ihre moralische Einstellung.
Den ersten Kuss erhielt ich erst nach einigen Wochen und wir hatten uns so ineinander verliebt, dass wir beschlossen zu heiraten.Das Verlobungsfoto seht Ihr oben. Der Vater von Elena zeigte in einer Zeitung unsere Verlobung an.
Diese Anzeige geriet in die Hände unseres Fliegerhorst-Kommandanten.Diser bestellte mich zum Rapport und kanzelte mich ab mit den Worten:
"Schämen Sie sich nicht als Deutscher einer Slawin die Ehe zu versprechen?"
Er befahl mir - was er garnicht durfte - die Verlobung sofort zu lösen.
Ich weigerte mich, diesem Befehl nachzukommen und wurde - was er auch nicht durfte - zu 30 Tagen verschärften Arrest verdonnert. - Bei Wasser und Brot!
Da die Russen im Osten durch die deutschen Linien gebrochen waren, konnte ich mir vorstellen, was sie mit Elena als Verlobte eines Deutschen machen würden. Ich gab Elena Nachricht, sich sofort mit meiner Mutter in Verbindung zu setzen und nach Köln zu fliehen. Dieses geschah dann auch.Elena fand wegen ihrer Sprachkenntnisse bei der damaligen AEG sofort eine Anstellung als Dolmetscherin.
Jedoch machten ihr und meiner Mutterr die Bombardierungen von Köln soviel zu schaffen, dass meine Mutter beschloss, mit Elena in ihre alte Heimat, das Sudetenland, zu übersiedeln. Der nun wieder von den Tschechen eingesetzte Bürgermeister gab
meiner Mutter den Rat, solange es noch möglich sei, nach Deutschland zurückzukehren.
Meine Mutter hatte inzwischen nämlich den Bescheid erhalten:
Gefallen für Grossdeutschland."Ich galt also für tot..Als meine Mutter Elena fragte, ob sie mit nach Köln kommen möchte meinte diese, da ich nicht mehr lebte, was sie denn in Köln solle.Ich habe nunversucht, von Elena etwas zu eh Deutschlandrfahren, aber die Tschechen liessen keine Post nach Deutschland.
Ich glaubte, Elena sei wieder in Bulgarien und mein Gefühl sagte mir, das sie noch lebte. Endlich, nach Beseitigung des Kommunismus, konnte ich mit dem bulgarischen Konsul Verbindung aufnehmen. Über ihren Bruder erhielt ich Bescheid,dass Elena in der Nähe von Wien lebte, und ich meldete mich dort sofort. Die Freude war gross, Elena war mit einem Tschechen verheiratet, hatte 2 Kinder und hat mich hier in Köln besucht.
Meine nunmehrige Ehefrau liebte ich sehr, aber das Schicksal meiner ehemaligen Verlobten liess mir 40 Jahre keine Ruhe. Nun endlich hatte ich mein Ziel erreicht. Elena ist vor 4 Jahren am 3. Herzinfarkt gestorben.
So, das wäre es für heute. Es grüsst Euch euer "Kölsche Jung"
Werner S. - 15. Mai, 20:17